TOP Leistung

DSN Mitglied rennnase hat zum 1. Weihnachtstag  einen Weihnachtsspaziergang der besonderen Art hingelegt. Hier Ihr Bericht zum Lauf:
 
Im eigenen Rhytmus an die Küste

Am ersten Weihnachtsfeiertag hat mich mein Freund am Deich ausgesetzt. Das war kein Beziehungsdrama sondern ein Fest der besonderen Sorte. Schließlich heißt es, dass in den Raunächten – der geheimnisvollen Zeit zwischen den Jahren – die gewöhnlichen Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind. Eine günstige Gelegenheit für mich, Sport zu treiben.

Früher bin ich dann im sonnigen Tessin geklettert oder auf schneebedeckte Gipfel gestapft. Seitdem ich im Flachland lebe, geht es eher um Abenteuer in der Horizontalen. Ersehntes Ziel war entsprechend mein Freund in Otterndorf. Aber statt im Auto anzureisen, wollte ich die Küstenetappe von Wremen (nahe Bremerhaven) über Cuxhaven nach Otterndorf zu Fuß bewältigen. Der Radweg wies mir die Richtung und mein Partner war die Reiserücktrittsversicherung, per Handy konnte ich ihn gegebenenfalls um Abholung bitten. Ansonsten hatte ich etwas Proviant und trockene Sachen in meinem kleinen Rucksack sowie Geld, eine Landkarte und zwei Wasserflaschen. Begleitung wollte ich keine, denn es ging nicht nur darum, die ca. 55 km zu erlaufen sondern vor allem, den eigenen Rhythmus zu finden. Nach der Bestzeitenhatz bei den vergangenen Wettkämpfen sehnte ich mich einfach nach stillem Unterwegs sein, viel frischer Luft und einer kleinen, persönlichen Jahresrückschau.

Als ich das warme Auto verließ und der Wind gleich ordentlich über den Deich fegte, war es schon eine sehr spezielle Feiertagsidylle: Winziger Mensch in weiter Landschaft. Immerhin regnete oder schneite es nicht.

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Mein größtes Problem bestand anfangs darin, dass es am Deich keine Bäume gibt und sich meine Blase bald bemerkbar machte. Natürlich tauchte immer gerade ein Mensch auf, wenn ich dachte, dass ich auch einen Grashalm gießen könnte. So waren die ersten Kilometer ein ständiges Hin und Her zwischen Buschsuche, Jacke aus- und anziehen, Rucksack umpacken und Schuhe schnüren. Ab Kilometer zehn fing es dann langsam an zu rollen und bei Kilometer 20 wurde ich allmählich euphorisch.

Das Wetter war kalt und trocken, die Beine liefen von alleine und die Aussicht flog über weite Deichwiesen und lichte Kiefernwälder dahin. Außerdem war ich erstmals von meinem Freund mit der Sportuhr „Gabi“ ausgestattet worden, die nun alle meine Schritte dokumentierte. Geschwindigkeit und Kilometerstand konnte ich ständig auf dem Handgelenk ablesen und Gesellschaft hatte ich auf diese Weise auch, selbst wenn sich Gabis Gesprächsbeiträge stets auf „piep“ beschränkten.

Im Übrigen lief ich quasi in virtueller Gemeinschaft, denn die Truppe von Deinsport.net ist ja auch ständig unterwegs. Somit war ich zwar allein, aber nicht einsam. Richtung Cuxhaven wurden außerdem die nicht-virtuellen Menschen häufiger und nahe der Kugelbaake trabte ich zwischen zahlreichen Feiertagsspaziergängern dahin. Plätzchen-gesättigt wie diese alle wirkten, packte mich auch der Appetit und zur Kaffeepause schlüpfte ich in ein Lokal mit Blick auf den Hafen. Gabi war damit zwar nicht ganz einverstanden und piepste verwundert auf Sattelitensuche, aber das nahm ich gelassen.

Im trockenen T-shirt, Käsekuchen- und Kaffee-gestärkt startete ich schließlich zur letzten 20 km-Etappe im Dunkeln. Nicht einmal der Mond schien und trotz Ortskenntnis verlief ich mich. Da stand ich plötzlich an schmatzenden Elbewellen und musste entweder schwimmen oder zurück. Ich entschied mich für letzteres. Ansonsten leuchtete mir meine Stirnlampe den Weg und außerdem kam mir schließlich meine persönliche Reiserücktrittsversicherung entgegen gelaufen. So vergingen die letzten Kilometer beim Plaudern noch schneller als der ganze Rest.

Bei Deinsport.net habe ich mit diesem Lauf jede Menge Lospunkte gesammelt, wirklich gewonnen habe ich aber ganz etwas anderes: Einen wunderschönen Tag!

Rennnase

 


Vergangene TOP Leistungen:
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